Tag 12 - Bergfest At Tiffany's

Kurz nach neun mit der zweiten Kaffetasse in der Hand abgelegt, über die kleine Bucht an die Tankstelle. Die macht allerdings erst um zehn auf. Wat mutt dat mutt, wir nutzen die Zwangspause zum Frühstücken. Zugegeben, es gibt schönere Plätze ein Frühstück einzunehmen z.B. At Tiffany's, aber es hat geschmeckt und die Wartezeit verkürzt.
Ziel war heute ein Stück weiter in den Norden zu kommen, also raus aus den Schären und vor der Küste bei knapp vier Knoten Halbem Wind aus W stramm nach Nord. Herrlich!

Blauer Himmel, blaues Wasser, am Horizont zieht die Küste vorbei.
Wellen, die man in der Ostsee eigentlich nicht kennt. Zwei Meter hoch, aber schön gleichmäßig und - ja - harmonisch - sofern man etwas weiter von der Küste weg ist, auch keine Kreuzseen. Zum Genießen.

Ein bissel trimmen und es läuft wieder.
So geht das sechs Stunden lang. Dann für 30 Sekunden eine Bö mit 40 km/h (untere 6 bft), dann ist der Wind weg.
Es kommt uns vor, als hätte Poseidon noch einmal kräftig ausgeamtet, und dann gedacht, jetzt ist es genug...
Ein paar Minuten später kommt der Wind wieder, allerdings 90° nach rechts gedreht, das heißt, genau aus Nord, also, mal wieder auf die Nase, genau von vorn. Immerhin, mit schlappen 2-3 bft.

Des Rätsels Lösung: Wir sind unter einer Front durchgefahren, man hat sie deutlich an dem Wolkenband über uns erkannt.
22:00 - Mittlerweile hat der Nordwind die Front nach Süden über Fünen gedrückt
Quelle http://windinfo
Wir biegen kurzentschlossen rechts ab in die Schären, statt gegenan zu kreuzen.
Kahl und karg - eine Westküste, die typsche Westwindwetterlagen ertragen muss.
Wir enden in dem Hafen von Grebbestad,
Es ist ganz schön Trubel hier. Deutsche haben wir keine gesehen, einheimische Schweden ein paar wenige, alle anderen sind Norweger. Grebbestadt ist fest in der Hand der Norweger.
Grebbestad ist für die Norweger, was Tallin für die Finnen ist: Man macht einen kurzen Törn, kauft Bier, Wein, Schnaps und lässt es sich gut gehen. Restaurants, Live Musik usw. zur Genüge.
Wir liegen längs am äußeren Hafenende und wie sich herausstellt, sind wir sehr glücklich darüber. Weiter abseits vom Trubel geht nicht.
Zunächst nehmen wir erst einmal ein Glas Sekt zur Feier des Bergfestes: Dies ist der nördlichste Punkt unserer Reise. Später gibt es Hügles Bioland Gulasch, heute mit Kartoffeln.

Wir freuen uns auf die morgigen Schärenerkundungen.

Nachtrag 22:00

Hinter der Front folgen die Schauerböen. Kurz danach ist alles wieder ruhig. Wir erwarten eine ruhige Nacht






1 Kommentar:

Gabriele Neumann hat gesagt…

Dass das Wetter- und vor allem der Wind- für Segler das Wichtigste ist, kann ich gut nachvollziehen. Und dass diese merkwürdige Mixtur aus ZUVIEL und ZUWENIG immer wieder Überraschendes hervorbringt, vielleicht gerade den Reiz ausmacht, auf jeden Fall das Gegenteil von Alltag ist, lese ich in jeder Zeile. Es hört sich wahrlich abenteuerlich an. Danke für die Bilder und die schönen Zeilen. Ich glaube, Euch geht es gut da draußen.
Berlin in diesem Juli ist auch nur vom Wetter in jeder Schlagzeile bestimmt und prägt den Alltag. Wir wissen nicht, wie wir uns kleiden sollen, was uns erwartet. So begossen war ich noch nie. Es regnet, es stürmt, es ist heiß, es ist kalt, es blitzt, es ist unberechenbar. Aber wir sind nicht auf dem Meer unterwegs, wir sind im großstädtischen Alltag und tun so, als ob wir heimgesucht wären von dunklen Klima-Mächten.
Von Stadt zu See grüße ich und will mehr von diesen schönen Touren oder Turns