Tag 7 - Stehtag auf Anholt

'Anholt - an island paradise in the fresh waves of the Kattegat' ist die Überschrift über dem Prospekt der im Sailor House, dem Büro des Hafenmeisters, ausliegt.
Naja, so ganz stimmt das zumindest für uns nicht. Ja, wir sind im Kattegat, aber von fresh waves war heute überhaupt gar nix zu sehen.
Eigentlich war es schon beim Wetterbericht von gestern Abend klar, das Wetterupdate am frühen Morgen bestätigte alles. Wieder `no wind today´.
Wir sind auch ein bisschen dankbar, dass der fehlende Wind uns die Entscheidung abgenommen hat und wir hier bleiben: Anholt ist die sonnigste Insel Dänemarks und rund um die Insel umgeben von einem 25 km langen Sandstrand. Und das Meer ist kristallklar, man sieht mehrere Meter tief. Es gibt sogar eine Wüste! Sie ist von Menschen gemacht: im 16. Jahrhundert hat das Geschäft mit der Salzgewinnung floriert und die Inselbewohner reich gemacht. Man hat einfach Meerwasser in Bottichen über große Feuer gehängt und das Wasser verkocht, bis nur das Salz übrig bliebt. Im Ergebnis waren 2/3 der Kieferwälder auf der Insel abgeholzt und im Wortsinne "verwüstet".
Heute baut man in geschützten Senken wieder Kiefern an, in der Hoffnung, irgendwann diese Fläche wieder bewalden zu können. Es scheint ein Jahrhundertprojekt zu sein.

Wir holen unsere Fahrräder heraus und fahren Richtung Wüste.


Auf der Ørken vej, müssen wir alsbald die Fahrräder stehen lassen und zu Fuß weiter gehen

Den Vögeln gefällt die Abgeschiedenheit

Blick nach Norden: Heidekraut, Dünen, Sandstrand

Zeugen der Abholzung?

Das Flugfeld liegt am Rande der Wüste ...
Hier rollt gerade der fliegende Handwerker zur Startbahn. In den abgelegenen Gegenden kommt er Dächer, Wasserleitungen etc. reparieren.

... und es gibt regen Verkehr

Vom Südberg (46m) hat man einen guten Blick nach SW: Der Wald mit den sich in denselben duckenden Häusern, dahinter das Flugfeld, und dann die Wüste

Blick nach N: rechts der Südberg, dahinter der Hafen
Ein genussvoller Tag mit vielen überraschenden Entdeckungen.


Gerade (19:30) macht ein schwedischer Segler neben uns fest. Er meinte, er wolle noch eine Leine auf der Luv-Seite festmachen. Ja, sage ich, "falls heute Nacht Wind aufkommt". "Es wird Wind kommen!", so er, "wir motoren seit drei Tagen, aber weniger Wind als heute kann es nicht geben!"

So hoffen wir mit ihm, morgen wieder ein Stück weiter segeln zu können ...

1 Kommentar:

Gabriele Neumann hat gesagt…

Gestern Nacht schrieb ich schon ein paar Zeilen, aber sie scheinen verloren gegangen zu sein. Auch wenn Ihr vielleicht lieber mehr segeln wolltet, so bekommen die Leser durch Eure Spaziergänge und Radtouren doch mehr mit von schönen Landschaften und interessanten historischen Details. Addi, Du schreibst so anschaulich, ich finde diese Wechsel von Wasser zu Wüste bemerkenswert.
Heute wünsche ich Euch allerdings Wind und einen rasanten Ritt in neue Gefilde.
Wie warm ist eigentlich das Wasser? Ist Brigitta schon geschwommen?